{"id":53,"date":"2019-06-07T17:00:39","date_gmt":"2019-06-07T15:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/claus-pese.de\/else-oppler\/?page_id=53"},"modified":"2019-09-16T13:31:47","modified_gmt":"2019-09-16T11:31:47","slug":"schicksalsjahre","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/claus-pese.de\/else-oppler\/schicksalsjahre\/","title":{"rendered":"Schicksalsjahre"},"content":{"rendered":"\n<h1>Schicksalsjahre<\/h1>\t\t\n\t\t\t1913 wurde Else Oppler-Legband Mitglied des Deutschen Werkbundes und leitete das \u201eHaus der Frau\u201c auf der Ausstellung des Deutschen Werkbundes 1914 in K\u00f6ln. Das Freiburger Theater wurde 1915 wegen des Krieges geschlossen. Else Oppler-Legband kehrte nach Berlin zur\u00fcck. In der Reichshauptstadt entwarf sie B\u00fchnendekorationen und B\u00fchnenkost\u00fcme \u201ean verschiedenen grossen Theatern (Lessing-Theater, Berliner Theater, Theater in der K\u00f6niggr\u00e4tzerstrasse, kleines Theater [und] Theater am Zoo)\u201c.<sup>26<\/sup> Zudem war sie f\u00fcr die aufkommende Filmindustrie t\u00e4tig und gestaltete f\u00fcr bedeutende Firmen deren Ausstellungsbauten auf Messen.<br>\nAm 7. Oktober 1924 wurde ihre Ehe in Berlin geschieden. Die Gr\u00fcnde hierf\u00fcr sind unbekannt. Ihren Doppelnamen behielt Else bei. Seit mindestens 1918 steckte zudem die Ehe zwischen Lilli und Peter Behrens in einer ernsthaften Krise und brach auseinander. 1927 traten schlie\u00dflich beide \u2013 Peter und Else \u2013 gemeinsam in Erscheinung. Anlass hierf\u00fcr war die Werkbund-Ausstellung \u201eDie Wohnung\u201c, an der 16 renommierte Architekten teilnahmen \u2013 unter anderen die Behrens-Sch\u00fcler Walter Gropius, Le Corbusier alias Pierre Jeanneret und Ludwig Mies van der Rohe \u2013 und die vom 23. Juli bis zum 23. Oktober 1927 auf dem Weissenhof in Stuttgart zu sehen war. Peter Behrens hatte dort ein Terrassenhaus als Mehrfamilienhaus mit zw\u00f6lf Wohnungen gebaut. Einen Teil der Einrichtung sollte Else Oppler-Legband \u00fcbernehmen, was aber nicht zustande kam. Peter Behrens bedauerte, \u201eda\u00df es durch die gro\u00dfe Entfernung von der Baustelle und durch die Schwierigkeit, zur Ausf\u00fchrung bereite Werkleute zu finden, nicht m\u00f6glich war, zwei Wohnungen mit M\u00f6beln auszustatten, die ich zur Einrichtung durch Frau Else Oppler-Legband und mich vorgesehen hatte\u201c, berichtete Behrens, und er fuhr fort: \u201eEs ist umso mehr bedauerlich, da\u00df gerade die Wohnung von Frau Else Oppler-Legband nicht eingerichtet werden konnte, als diese ganz aus dem Geiste der modernen Hausfrau entworfen wurde.\u201c<sup>27<\/sup> Entsprechende Entw\u00fcrfe haben sich nicht erhalten.<br>\nElse Oppler-Legband war Mitarbeiterin von Peter Behrens geworden \u2013 25 Jahre nachdem sie sich in N\u00fcrnberg kennengelernt hatten! 1931 schuf Peter Behrens den Pavillon \u201eRing der Frauen\u201c auf der Deutschen Bauausstellung in Berlin, die vom 9. Mai bis zum 9. August 1931 auf dem Ausstellungsgel\u00e4nde am Kaiserdamm gezeigt wurde. Im Rahmen dieses Projektes bezeichnete Peter Behrens Else Oppler-Legband erstmals als seine \u201eArbeitsgef\u00e4hrtin\u201c.<sup>28<\/sup><br>\nZur gleichen Zeit, zwischen 1929 und 1932, entstanden in Berlin am Alexanderplatz zwei Gesch\u00e4fts- und B\u00fcroh\u00e4user: das \u201eHaus Berolina\u201c und das \u201eHaus Alexander\u201c. Nicht zuletzt zu diesem Zweck wurden die \u201eVereinigten Unstrut-Kalkstein-Werke\u201c gegr\u00fcndet. \u201eEs war dies eine Vereinigung einer Reihe kleinerer Kalksteinbr\u00fcche an der Unstrut\u201c, berichtet Else Oppler-Legband. \u201eHinzu kamen Br\u00fcche in der N\u00e4he von Wien [wo Peter Behrens eine Professur an der Bauakademie inne hatte und ein Architekturb\u00fcro unterhielt] und Marmorbr\u00fcche in Spanien. Ich war mit 9\/10 am Kapital beteiligt, mein Freund [Peter Behrens] mit 1\/10. Bei einem Konkurrenzausschreiben [also einem Wettbewerb] siegten wir mit unserem Angebot, die Verblendung mit Kalkstein der grossen neuen Bauten am Alexanderplatz in Berlin und mit Marmor die Vestib\u00fcle auszuf\u00fchren.\u201c<sup>29<\/sup> Sp\u00e4testens da war aus der Arbeitsgemeinschaft eine Lebensgemeinschaft geworden!<br>\nEs war die Zeit gekommen, in der Else Oppler-Legband und Peter Behrens ihren gemeinsamen Lebensabend planten. \u201eGro\u00dfe Aufgaben wird die n\u00e4chste Zeit kaum bescheren\u201c, schrieb der 63 j\u00e4hrige Architekt Ende 1931. \u201eDann denkt man vielleicht auch einmal an sich selbst [\u2026].\u201c Es m\u00fcsste ein Haus sein, \u201ein dem das Gl\u00fcck wohnt\u201c, umgeben \u201evon so viel Land, Feldern und G\u00e4rten, St\u00e4llen und Scheunen, da\u00df b\u00e4uerliches M\u00fchen, Bauernsorge und \u2013stolz in ihm sein k\u00f6nnten\u201c, so Behrens.<sup>30<\/sup> \u201eIm Dezember 1931 hatte er ein Grundst\u00fcck inmitten der waldreichen Umgebung von Neustrelitz in Mecklenburg erworben. Auf dessen H\u00fcgel, mit Aussicht auf den Zierker See, plante er zusammen mit Else Oppler-Legband den Gutshof \u02bbHohenlanke\u02bc, wo er selbst wohnen und \u02bbnebenher Bauer\u02bc werden wollte. Vorgesehen war eine gro\u00dfe Anlage mit repr\u00e4sentativem Wohnbereich f\u00fcr den Hausherrn [und seine Lebensgef\u00e4hrtin], Wirtschaftsgeb\u00e4uden, Stallungen, Scheunen f\u00fcr Vieh- und Landwirtschaft und einem Wohntrakt f\u00fcr den Verwalter. Es sollte eine R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeit f\u00fcr ihn selbst [, f\u00fcr seine Lebensgef\u00e4hrtin] und auch f\u00fcr G\u00e4ste werden. Das Gel\u00e4nde wollte Behrens nach einer neuen biologisch-dynamischen Methode bewirtschaften lassen\u201c \u2013 also durchaus damit Geld verdienen. \u201eDer Bau des Gutshofs begann nach Verz\u00f6gerungen im Laufe des Jahres 1932.\u201c<sup>31<\/sup><br>\nEin neuer Lebensabschnitt schien in greifbarer N\u00e4he zu sein: \u201e1932 wurde [Else Oppler-Legband] Elevin\u201c, wie sie es nannte \u2013 begann also eine Ausbildung \u201eauf einem Mustergut in Mettmann im Rheinland. Darauf \u00fcbernahm ich die praktische Mitarbeit zur landwirtschaftlichen und g\u00e4rtnerischen Bebauung und Anlage eines gr\u00f6sseren St\u00fcck Landes in Mecklenburg [also den Gutshof \u02bbHohenlanke\u02bc], worauf ich sp\u00e4ter meinen festen Wohnsitz nehmen [wollte].\u201c<sup>32<\/sup><br>\nAllein, daraus wurde nichts. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Fr\u00fchjahr 1933 war der Traum vom gemeinsamen produktiven Lebensabend ausgetr\u00e4umt. Das \u201eHaus, in dem das Gl\u00fcck wohnt\u201c, so Behrens, war ein Luftschloss geblieben. Der Bau geriet ins Stocken. Zudem wurde jegliche k\u00fcnstlerische T\u00e4tigkeit eingestellt. Else Oppler-Legband, die j\u00fcdischer Abstammung war, verlie\u00df Deutschland und ging zun\u00e4chst nach Holland, um dort landwirtschaftlich t\u00e4tig zu werden. 1935 kam sie nach S\u00fcdtirol ins faschistische Italien, um auch dort professionell Landwirtschaft zu betreiben. Im April 1937 errichtete Else Oppler-Legband in Meran eine, wie sie es selbst nannte, \u201ekleine vornehme Pension\u201c und stellte damit ihre bemerkenswerte Vielseitigkeit unter Beweis. Mit dem Ausgleich Hitler-Mussolini setzte auch in Italien der organisierte Antisemitismus ein. Else emigrierte 1939 nach Schweden, wo sie den Zweiten Weltkrieg unbehelligt \u00fcberstand. In Schweden wurde sie \u201ezun\u00e4chst von ihrer Bekannten Gerda v. Schinkel aufgenommen.\u201c<sup>33<\/sup> Offenbar hat das Ehepaar Mimi und Ludwig Borchardt die Flucht Else Oppler-Legbands von Italien nach Schweden erm\u00f6glicht.<sup>34<\/sup><br>\nDrei Jahre vorher, w\u00e4hrend Else Oppler-Legband in Holland lebte und arbeitete, hatte Peter Behrens zum 1. April 1936 den Gutshof \u201eHohenlanke\u201c verkauft. Unklar ist, wie sich die Eigentumsverh\u00e4ltnisse vor 1933 daran gestaltet haben. Wahrscheinlich ist, dass Else Oppler-Legband einen wesentlichen Beitrag geleistet hatte. Peter Behrens\u2018 Maxime \u201eWahrer Lohn, wenn man ihn verdient hat, liegt allein im Einswerden mit der Natur\u201c, wie er es 1936 formuliert hat, konnte er nicht mehr verwirklichen.<sup>35<\/sup> Peter Behrens starb am 27. Februar 1940 71-j\u00e4hrig in einem Berliner Hotelzimmer, w\u00e4hrend sich Else Oppler-Legband in Schweden mehr schlecht als recht durchschlug. In Schweden war es ihr nicht m\u00f6glich geworden, \u201eeine feste T\u00e4tigkeit, meinen Kenntnissen entsprechend, zu bekommen. Ich begann wieder zu malen, was ich in meiner Jugend begonnen hatte, und konnte hie und da Bilder verkaufen.\u201c<sup>36<\/sup> Damit endet Else Oppler-Legbands selbst verfasster Lebenslauf.<br>\nElse Oppler-Legband lebte in Stockholm und kehrte 1952 in die junge Bundesrepublik Deutschland zur\u00fcck. In \u00dcberlingen am Bodensee verbrachte sie die letzten 13 Jahre ihres langen Lebens. Dort verstarb Else Oppler-Legband am 7. Dezember 1965 im Alter von 90 Jahren.<sup>37<\/sup> Mehr als ein halbes Jahrhundert nach ihrem Tode ist nun erstmals ausf\u00fchrlich \u00fcber sie berichtet worden.<br>\nDamit habe ich eine mir selbst auferlegte Pflicht erf\u00fcllt. Ich meine, dass \u00fcber Else Oppler weiter geforscht werden muss. Gewiss ist das lohnend, wenngleich nicht unkompliziert. Im Schweizerischen Institut f\u00fcr \u00e4gyptische Bauforschung in Kairo soll es \u201esehr zahlreiche Briefe\u201c von Else Oppler an Mimi Borchardt (1877\u20131948) geben.<sup>38<\/sup> Deren Ehemann Ludwig Borchardt (1863\u20131938) hatte 1906 das Kaiserlich Deutsche Institut f\u00fcr \u00e4gyptische Altertumskunde in Kairo gegr\u00fcndet. Diese Briefe zu sichten und auszuwerten w\u00e4re ein Forschungsprojekt, das von der Stadt N\u00fcrnberg vergeben werden sollte!\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/claus-pese.de\/else-oppler\/anerkannte-kuenstlerin\/\" target=\"_self\" role=\"button\" rel=\"noopener noreferrer\">\n\t\t\t\t\t\tZur\u00fcck\n\t\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/claus-pese.de\/else-oppler\/\" target=\"_self\" role=\"button\" rel=\"noopener noreferrer\">\n\t\t\t\t\t\t\tZur Hauptseite\n\t\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/claus-pese.de\/else-oppler\/anmerkungen\/\" target=\"_self\" role=\"button\" rel=\"noopener noreferrer\">\n\t\t\t\t\t\tAnmerkungen\n\t\t\t\t\t<\/a>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schicksalsjahre 1913 wurde Else Oppler-Legband Mitglied des Deutschen Werkbundes und leitete das \u201eHaus der Frau\u201c auf der Ausstellung des Deutschen Werkbundes 1914 in K\u00f6ln. Das Freiburger Theater wurde 1915 wegen des Krieges geschlossen. 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