{"id":63,"date":"2019-06-07T17:28:50","date_gmt":"2019-06-07T15:28:50","guid":{"rendered":"https:\/\/claus-pese.de\/else-oppler\/?page_id=63"},"modified":"2019-09-16T13:29:33","modified_gmt":"2019-09-16T11:29:33","slug":"die-junge-kuenstlerin","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/claus-pese.de\/else-oppler\/die-junge-kuenstlerin\/","title":{"rendered":"Die junge K\u00fcnstlerin"},"content":{"rendered":"\n<h1>Die junge K\u00fcnstlerin<\/h1>\t\t\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/claus-pese.de\/else-oppler\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2019\/06\/Else.png\" alt=\"Abb. 2. Else Oppler im Portr\u00e4t und im Profil, um 1896 J\u00fcdisches Museum Berlin, Inv. Nr. 2006\/220\/0, Schenkung von Dr. phil. Fortunatus Schnyder-Rubensohn.\" itemprop=\"image\" height=\"442\" width=\"644\" title=\"Else\" onerror=\"this.style.display='none'\">\n\t\tAbb. 2. Else Oppler im Portr\u00e4t und im Profil, um 1896 J\u00fcdisches Museum Berlin, Inv. Nr. 2006\/220\/0, Schenkung von Dr. phil. Fortunatus Schnyder-Rubensohn.\n\t\t<h3><\/h3>\t\t\n\t\t\t<p>Die letzten Jahre des 19. Jahrhunderts waren Jahre des k\u00fcnstlerischen Aufbruchs, dessen Ergebnis als die Epoche des Jugendstils zusammengefasst wird. Es war auch die Zeit einer Neu-gestaltung von Frauenkleidern, die von Kunstlern, Medizinern und der sich ent-wickelnden emanzipatorischen Frauenbewegung angeregt worden war. Die Kampfansage galt vor allem dem Korsett; zur Alternative wurde das Reformkleid erkl\u00e4rt.<\/p>\n\t\t<h3><\/h3>\t\t\n\t\t\t<p>Es sei ges\u00fcnder, individueller und entspreche dem Wesen der Frau mehr als die industriell gefertigte textile Massenware. <sup>7<\/sup> Im April 1900 fand in Krefeld als \u201eSonderausstellung moderner nach K\u00fcnstlerentw\u00fcrfen ausgef\u00fchrter Damenkleider\u201c die erste Ausstellung solcher Art in Deutschland statt. Unter anderen wurden Reformkleider nach Entw\u00fcrfen der damals bereits renommierten K\u00fcnstler Bernhard Pankok (1872\u20131943), Richard Riemerschmid (1868\u20131957) und Henry van de Velde (1863\u20131957) gezeigt. In die Gestaltung der neuen Kleidung sollten Frauen ausdr\u00fccklich mit einbezogen werden. Da hatte sich der jungen Else Oppler ein weites Bet\u00e4tigungsfeld er\u00f6ffnet, auf dem noch viel geleistet werden konnte.<\/p>\n\t\t<h3><\/h3>\t\t\n\t\t\t<p>Dann gab es f\u00fcr Else Oppler eine schicksalhafte Begegnung: Vom 7. Oktober bis zum 9. November 1901 veranstaltete das Bayerische Gewerbemuseum in N\u00fcrnberg den ersten, von ihm so genannten \u201ekunstgewerblichen Meisterkurs\u201c. Als Kursleiter konnte Theodor von Kramer (1852\u20131927), der damalige Direktor des Bayerischen Gewerbemuseums, Peter Behrens (1868\u20131940) von der K\u00fcnstlerkolonie Mathildenh\u00f6he bei Darmstadt gewinnen. Else Oppler war eine der insgesamt 16 Teilnehmer, von denen drei Frauen waren. <sup>8<\/sup><\/p>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/claus-pese.de\/else-oppler\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2019\/06\/Strasenkleid.png\" alt=\"Abb. 3. Else Oppler: Stra\u00dfenkleid, 1901\/1902, s. Anm. 10.\" itemprop=\"image\" height=\"461\" width=\"302\" title=\"Strasenkleid\" onerror=\"this.style.display='none'\">\n\t\tAbb. 3. Else Oppler: Stra\u00dfenkleid, 1901\/1902, s. Anm. 10.\n\t\t<h3><\/h3>\t\t\n\t\t\tZur gleichen Zeit, im Oktober 1901, hatte der \u201eVerein Frauenwohl\u201c eine kunstgewerbliche Werkst\u00e4tte eingerichtet und Else Oppler deren Leitung im Jahr darauf \u00fcbertragen. <sup>9<\/sup> Offiziell hie\u00df diese Werkst\u00e4tte \u201eKunstgewerbliche Abteilung des Vereins Frauenwohl\u201c. Bald nach deren Gr\u00fcndung trat die junge K\u00fcnstlerin publizistisch erstmals in Erscheinung. <sup>10<\/sup><br>\nGleich im Anschluss an den ersten kunstgewerblichen Meisterkurs des Bayerischen Gewerbemuseums \u2013 also nach dem 9. November 1901 \u2013 war Else Oppler Sch\u00fclerin von Henry van de Velde in dessen Berliner Atelier. F\u00fcr wie lange ist nicht \u00fcberliefert. <sup>11<\/sup> (Abb. 3)<br>\nDer zweite kunstgewerbliche Meisterkurs des Bayerischen Gewerbemuseums fand von Mitte Januar bis Mitte Februar 1902 statt. (Abb. 4)<br>\nErneut hatte Peter Behrens die Leitung des Kurses inne. Unter den nun 27 Teilnehmern \u2013 das waren elf oder 40 % mehr als im Vorjahr \u2013 befanden sich vier Frauen: Louise von Forster und erneut Auguste H\u00e4mmel, Else Oppler und Emma Volck. Neben einer Reihe von textilen Arbeiten, von denen noch die Rede sein wird, ist aus dem zweiten kunstgewerblichen Meisterkurs eine Biskuitdose aus Silber mit zwei aufgesetzten lauchgr\u00fcnen Chrysopalsteinen hervorgegangen, die Else Oppler entworfen hat und die sich heute in schwer zug\u00e4nglichem Hamburger Privatbesitz befindet. Die Gestaltung dieser Sch\u00fclerarbeit ist ganz der Formensprache des Lehrers geschuldet. <sup>12<\/sup> (Abb. 5)\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/claus-pese.de\/else-oppler\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2019\/06\/Gescha\u0308ftskleid.png\" alt=\"Abb. 4. Else Oppler: Gesellschaftskleid, 1901\/1902, s. Anm. 10.\" itemprop=\"image\" height=\"487\" width=\"349\" title=\"Gescha\u0308ftskleid\" onerror=\"this.style.display='none'\">\n\t\tAbb. 4. Else Oppler: Gesellschaftskleid, 1901\/1902, s. Anm. 10.\n\t\t<h3><\/h3>\t\t\n\t\t\t<p>Zwischen dem Kursleiter Peter Behrens aus Darmstadt und der N\u00fcrnbergerin Else Oppler muss es ab dem Oktober 1901 zu einer \u2013 wie auch immer gearteten \u2013 engeren menschlichen Beziehung gekommen sein. Davon zeugen zuerst zwei gemeinsame Eintr\u00e4ge in das G\u00e4stebuch des Schlosses Pretzfeld, die ich aus eigener Anschauung kenne. Schloss Pretzfeld geh\u00f6rte \u2013 mit einem Haltepunkt seit 1891 an der Bahnlinie Forchheim \u2013 Ebermannstadt gelegen \u2013 in den Jahren 1901 und 1902 der N\u00fcrnberger Bankiersfamilie Kohn, die sich 1898\/1899 in N\u00fcrnberg ein aufw\u00e4ndiges Stadtpalais im Stil des Neurokoko erbauen lie\u00df. Dieses imposante Bauwerk besteht noch heute und liegt als Anwesen Campestra\u00dfe 10 an der Ecke zur Frommannstra\u00dfe. Offensichtlich hat es zwischen den Familien Oppler und Kohn freundschaftliche Beziehungen gegeben.<\/p>\n\t\t<h3><\/h3>\t\t\n\t\t\t<p>F\u00fcr Else Oppler kam der gro\u00dfe Erfolg \u2013 und der kam au\u00dferhalb von N\u00fcrnberg. Da war zun\u00e4chst die Beteiligung der Kunstgewerblichen Abteilung des Vereins Frauenwohl mit diversen Stickereien an der Ersten Internationalen Ausstellung f\u00fcr Moderne Dekorative Kunst in Turin, die dort vom 10. Mai bis zum 10. November 1902 stattfand und dem Verein eine Silbermedaille einbrachte. Das war ein wichtiger \u00fcbernationaler Erfolg! Kurze Zeit nach Turin \u2013 also Ende 1902\/Anfang 1903 \u2013 fand im Hohenzollern-Kaufhaus in Berlin eine Ausstellung f\u00fcr Frauenkleidung statt. Else Oppler war daran mit einem Kost\u00fcm beteiligt.13 Turin und Berlin hatten zur Folge, dass Else Oppler an das renom-mierte Warenhaus von Abraham Wertheim in Berlin berufen wurde. Eigens f\u00fcr sie war dort ein Atelier f\u00fcr k\u00fcnstlerische Frauenkleidung eingerichtet worden.<\/p>\n\t\t<h3><\/h3>\t\t\n\t\t\t<p>Else Oppler verlie\u00df Ende 1903 N\u00fcrnberg. Die organisatorische Leitung der Kunstgewerblichen Abteilung des Vereins Frauenwohl wurde Elses drei Jahre j\u00fcngerer Schwester Frieda \u00fcbertragen. Als k\u00fcnstlerische Leiterin bestellte man die Kunstgewerblerin Emmy Hormann. Mit Ablauf des Jahres 1908 war dann f\u00fcr die Kunstgewerbliche Abteilung das Ende gekommen. Ende 1934 l\u00f6ste sich der Verein Frauenwohl auf.<\/p>\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/claus-pese.de\/else-oppler\/wp-content\/plugins\/bb-plugin\/img\/pixel.png\" alt=\"\" itemprop=\"image\" onerror=\"this.style.display='none'\">\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/claus-pese.de\/else-oppler\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2019\/06\/Keksdose-258x300.png\" alt=\"Abb. 5. Else Oppler: Keksdose aus Silber, 1902, s. Anm. 12.\" itemprop=\"image\" height=\"300\" width=\"258\" title=\"Keksdose\" onerror=\"this.style.display='none'\">\n\t\tAbb. 5. Else Oppler: Keksdose aus Silber, 1902, s. Anm. 12.\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/claus-pese.de\/else-oppler\/kindheit-und-jugend\/\" target=\"_self\" role=\"button\" rel=\"noopener noreferrer\">\n\t\t\t\t\t\tZur\u00fcck\n\t\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/claus-pese.de\/else-oppler\/\" target=\"_self\" role=\"button\" rel=\"noopener noreferrer\">\n\t\t\t\t\t\t\tZur Hauptseite\n\t\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/claus-pese.de\/else-oppler\/anerkannte-kuenstlerin\/\" target=\"_self\" role=\"button\" rel=\"noopener noreferrer\">\n\t\t\t\t\t\t\tWeiterlesen\n\t\t\t<\/a>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die junge K\u00fcnstlerin Abb. 2. Else Oppler im Portr\u00e4t und im Profil, um 1896 J\u00fcdisches Museum Berlin, Inv. Nr. 2006\/220\/0, Schenkung von Dr. phil. Fortunatus Schnyder-Rubensohn. Die letzten Jahre des 19. 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