{"id":46,"date":"2019-06-07T16:49:26","date_gmt":"2019-06-07T14:49:26","guid":{"rendered":"https:\/\/claus-pese.de\/kuenstlerkolonie-worpswede\/?page_id=46"},"modified":"2019-11-06T13:38:58","modified_gmt":"2019-11-06T12:38:58","slug":"form-farbe-und-wesen-der-dinge","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/claus-pese.de\/kuenstlerkolonie-worpswede\/form-farbe-und-wesen-der-dinge\/","title":{"rendered":"Form, Farbe und Wesen der Dinge"},"content":{"rendered":"\n\t\t<h1>Form, Farbe und Wesen der Dinge<\/h1>\t\t\n\t\t\t<p>\u201eJe reicher jetzt der Mensch sich innerlich f\u00fchlt, je polyphoner sein Subject ist, umso gewaltiger wirkt auf ihn das Gleichmaas der Natur; wir alle erkennen mit Goethe in der Natur das grosse Mittel der Beschwichtigung f\u00fcr die moderne Seele, wir h\u00f6ren den Pendelschlag der gr\u00f6ssten Uhr mit einer Sehnsucht nach Ruhe, nach Heimisch- und Stillewerden an, als ob wir dieses Gleichmaas in uns hineintrinken und dadurch zum Genuss unser selbst erst kommen k\u00f6nnten.\u201c<sup>2 <\/sup><\/p>\n\t\t<h3><\/h3>\t\t\n\t\t\t<p>Im Gleichma\u00df der Natur meinte 1878 Friedrich Nietzsche das Mittel zu haben, um die moderne Seele zu beschwichtigen. Die gesellschaftlichen Umbr\u00fcche, die eine Folge der Industriellen Revolution in Mitteleuropa ab den 1830er Jahren waren, verlangten nach einem Zur\u00fcck zur Natur mit k\u00fcnstlerischen Mitteln. Eine neue Sehnsucht nach Landschaft breitete sich aus, und es sollte eine reine, der Anschauung geschuldete Naturbetrachtung sein, die weder einer Idee noch einer Absicht folgt. Eine neue Form der Landschaftsmalerei war im Kommen. Sie entstand nicht in st\u00e4dtischen K\u00fcnstlerateliers, sondern vor Ort in der Landschaft selbst \u2013 in den K\u00fcnstlerkolonien auf dem Lande.<\/p>\n<p>Es war an einem Tag in der letzten Augustwoche des Jahres 1889, an dem die drei Maler Fritz Mackensen, Otto Modersohn und Hans am Ende auf der Bergedorfer Br\u00fccke standen und beschlossen, f\u00fcr immer in Worpswede zu bleiben. Alle drei waren sie damals in der Mitte ihres dritten Lebensjahrzehnts \u2013 junge M\u00e4nner also, die das Leben vor sich hatten.<\/p>\n<p>Die K\u00fcnstlerkolonie Worpswede im \u201eTeufelsmoor\u201c, zwanzig Kilometer nord\u00f6stlich von Bremen, war gegr\u00fcndet. Das liest sich sch\u00f6n, ist aber ein Mythos, denn K\u00fcnstlerkolonien werden in der Regel nicht gegr\u00fcndet; K\u00fcnstlerkolonien entstehen. Sie bilden sich in Schritten: Entdeckung einer Landschaft durch einen einzelnen K\u00fcnstler; Bekanntmachen der Entdeckung an andere; gemeinsame, sporadische Aufenthalte und schlie\u00dflich die Ansiedelung.<\/p>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/claus-pese.de\/kuenstlerkolonie-worpswede\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2019\/11\/bergedorfer-bruecke-worpswede.jpg\" alt=\"Abb. 1. Die Bergedorfer Bru\u0308cke im Mai 2018.\" itemprop=\"image\" height=\"584\" width=\"357\" title=\"bergedorfer-bruecke-worpswede\" onerror=\"this.style.display='none'\"  \/>\n\t\tAbb. 1. Die Bergedorfer Bru\u0308cke im Mai 2018.\n\t\t<h3><\/h3>\t\t\n\t\t\t<p>F\u00fcr Worpswede machte Fritz Mackensen (1866\u20131953) den Anfang. 1883 hatte er das Studium an der renommierten D\u00fcsseldorfer Akademie begonnen, wo Mackensen Otto Modersohn (1865\u20131943) kennenlernte. F\u00fcr sie wie f\u00fcr viele andere auch war der Lehrbetrieb an den Kunstakademien zu stereotyp geworden. Der Zufall wollte es, dass Mackensen in D\u00fcsseldorf bei der Schwester des Worpsweder Kaufmanns Ferdinand Stolte logierte. Bei ihr lebte auch deren Nichte Emilie Stolte, die Mackensen 1884 zu einem Besuch in ihr Elternhaus nach dem damals v\u00f6llig unbekannten Worpswede einlud.<sup>3 <\/sup><\/p>\n<p>1886 folgte ein zweiter Aufenthalt in von der Welt abgelegenen und damals schwer erreichbaren Worpswede, und im Jahr darauf ein dritter. \u201eWie herrlich es hier ist lieber Otto, kann ich Dir gar nicht beschreiben\u201c, berichtete der begeisterte Fritz Mackensen an seinen D\u00fcsseldorfer Studienkollegen und Malerfreund Otto Modersohn. \u201eIch sah eine Birkenallee, wie sie nie ein [Th\u00e9odore] Rousseau gemalt hat. Alte wunderbar geformte St\u00e4mme, silbern aus den dunklen Silhouetten herausleuchtend; ein Wassergraben, in dem sich klar ein leuchtend rotes Dach und eine helle durchsichtige Abendluft spiegelt, wie sie Rembrandt [\u2026] gemalt hat. Weit hinten auf dem durchfurchten Sandwege sieht man einen Landauer [i.e. ein viersitziger Pferdewagen mit zusammenlegbarem Verdeck] heranrollen, weiter vorn schiebt ein Mann sein beladenes Torfboot vor sich her; ein Bild pomp\u00f6s!!!\u201c.<sup>4 <\/sup><\/p>\n<p>1888 wechselte Fritz Mackensen auf die Akademie in M\u00fcnchen, lernte dort Hans am Ende (1864\u20131918) kennen und pflegte weiterhin den Kontakt zu Otto Modersohn. Im August des folgenden Jahres war es dann soweit: Die K\u00fcnstlerkolonie Worpswede nahm ihren Anfang.<\/p>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/claus-pese.de\/kuenstlerkolonie-worpswede\/kuenstlerkolonien-europaeisches-phaenomen\/\" target=\"_self\" role=\"button\" rel=\"noopener noreferrer\">\n\t\t\t\t\t\tZur\u00fcck\n\t\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/claus-pese.de\/kuenstlerkolonie-worpswede\/\" target=\"_self\" role=\"button\" rel=\"noopener noreferrer\">\n\t\t\t\t\t\t\tHauptseite\n\t\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t<a href=\"https:\/\/claus-pese.de\/kuenstlerkolonie-worpswede\/wunderland\/\" target=\"_self\" role=\"button\" rel=\"noopener noreferrer\">\n\t\t\t\t\t\t\tWeiterlesen\n\t\t\t<\/a>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Form, Farbe und Wesen der Dinge \u201eJe reicher jetzt der Mensch sich innerlich f\u00fchlt, je polyphoner sein Subject ist, umso gewaltiger wirkt auf ihn das Gleichmaas der Natur; wir alle erkennen mit Goethe in der Natur das grosse Mittel der Beschwichtigung f\u00fcr die moderne Seele, wir h\u00f6ren den Pendelschlag der gr\u00f6ssten Uhr mit einer Sehnsucht&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-46","page","type-page","status-publish","hentry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Form, Farbe und Wesen der Dinge - K\u00fcnstlerkolonie Worpswede - Ein Artikel von Claus Pese<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/claus-pese.de\/kuenstlerkolonie-worpswede\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Form, Farbe und Wesen der Dinge - K\u00fcnstlerkolonie Worpswede - Ein Artikel von Claus Pese\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Form, Farbe und Wesen der Dinge \u201eJe reicher jetzt der Mensch sich innerlich f\u00fchlt, je polyphoner sein Subject ist, umso gewaltiger wirkt auf ihn das Gleichmaas der Natur; wir alle erkennen mit Goethe in der Natur das grosse Mittel der Beschwichtigung f\u00fcr die moderne Seele, wir h\u00f6ren den Pendelschlag der gr\u00f6ssten Uhr mit einer Sehnsucht&hellip;\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/claus-pese.de\/kuenstlerkolonie-worpswede\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"K\u00fcnstlerkolonie Worpswede - Ein Artikel von Claus Pese\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2019-11-06T12:38:58+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/claus-pese.de\/kuenstlerkolonie-worpswede\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2019\/11\/bergedorfer-bruecke-worpswede.jpg\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"3\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/claus-pese.de\\\/kuenstlerkolonie-worpswede\\\/form-farbe-und-wesen-der-dinge\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/claus-pese.de\\\/kuenstlerkolonie-worpswede\\\/\",\"name\":\"Form, Farbe und Wesen der Dinge - K\u00fcnstlerkolonie Worpswede - Ein Artikel von Claus Pese\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/claus-pese.de\\\/kuenstlerkolonie-worpswede\\\/#website\"},\"primaryImageOfPage\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/claus-pese.de\\\/kuenstlerkolonie-worpswede\\\/#primaryimage\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/claus-pese.de\\\/kuenstlerkolonie-worpswede\\\/#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"https:\\\/\\\/claus-pese.de\\\/kuenstlerkolonie-worpswede\\\/wp-content\\\/uploads\\\/sites\\\/5\\\/2019\\\/11\\\/bergedorfer-bruecke-worpswede.jpg\",\"datePublished\":\"2019-06-07T14:49:26+00:00\",\"dateModified\":\"2019-11-06T12:38:58+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/claus-pese.de\\\/kuenstlerkolonie-worpswede\\\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\\\/\\\/claus-pese.de\\\/kuenstlerkolonie-worpswede\\\/\"]}]},{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/claus-pese.de\\\/kuenstlerkolonie-worpswede\\\/#primaryimage\",\"url\":\"https:\\\/\\\/claus-pese.de\\\/kuenstlerkolonie-worpswede\\\/wp-content\\\/uploads\\\/sites\\\/5\\\/2019\\\/11\\\/bergedorfer-bruecke-worpswede.jpg\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/claus-pese.de\\\/kuenstlerkolonie-worpswede\\\/wp-content\\\/uploads\\\/sites\\\/5\\\/2019\\\/11\\\/bergedorfer-bruecke-worpswede.jpg\",\"width\":357,\"height\":584,\"caption\":\"Abb. 1. 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